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Dr. Luise Reddemann

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Dr. Luise Reddemann – Pionierin der Traumatherapie

Frau Reddemann, 18.6.2001

Dr. Luise Reddemann

Frau Professor Dr. med. Luise Reddemann wurde am 2. März 1943 in Aalen/Baden Württemberg geboren. Als Nervenärztin und Psychoanalytikerin leistete sie Pionierarbeit in der Diagnostik und Behandlung traumabedingter psychischer Störungen und hat dadurch die psychotherapeutische Landschaft maßgeblich verändert. Von 1984 bis 2003 leitete sie in Bielefeld die Klinik für Psychosomatische und Psychotherapeutische Medizin, in der vor allem Frauen mit unterschiedlichen Gewalterfahrungen Hilfe suchten.

Da die herkömmlichen Therapiemethoden sich häufig als wenig effektiv erwiesen  oder sogar die Symptome noch verschlimmerten, suchte Prof. Reddemann nach geeigneteren Methoden und  Möglichkeiten. Eingedenk des psychoanalytischen Grundsatzes, dass in der Therapie nur mit den gesunden Ich-Anteilen kommuniziert und nur mit einem stabilen Ich aufdeckend gearbeitet werden soll, stellte sie sich die Frage, wie das labilisierte oder gar aufgespaltene Ich stabiler werden kann. Sie sucht nach wie vor in vielen Therapierichtungen, Ländern und Kulturen sowie über ihre eigenen Erfahrungen nach Anregungen, „wie das Schwere leichter gemacht werden kann“ und verfolgt konsequent einen ressourcenorientierten Ansatz.

Ihr vielseitiges Wissen, ihre Erfahrung und Intuition, ihre Beharrlichkeit und nicht zuletzt auch ihre spirituelle Haltung trugen dazu bei, dass ein neues Behandlungskonzept entstand, dem sie einen eigenen Namen gegeben hat: PITT® – die Psychodynamisch Imaginative Trauma Therapie.

Prof. Reddemann ist es zu verdanken, dass der Begriff der Würde zunehmend auch in der psychotherapeutischen Szene reflektiert wird.

Ihr war immer wichtig zu beachten, dass Frauen in unserer Gesellschaft besonders gefährdet sind, da sie häufiger und stärker, als man gemeinhin annimmt, wegen ihres Geschlechtes Unterdrückung ausgesetzt sind. Sowohl brutale Gewalt als auch mangelnde Wertschätzung von Frauen und weiblichen Werten führen noch immer zu einer Verunsicherung des weiblichen Geschlechtes an sich. Für Frauen ist PITT® besonders hilfreich, weil es ihre Sprache aufgreift und ihre Stärken bewusst macht. Stabilisierung und Ressourcenorientierung (Nutzen der eigenen Fähigkeiten) sind die wichtigsten Säulen dieses Therapiekonzeptes. Im Mittelpunkt steht das „beidäugige Sehen“, wie es einer ihrer Lehrer, Peter Fürstenau, nannte. Beide Lebensqualitäten, Leiden und Fähigkeiten, gehen in den therapeutischen Prozess ein. So wird die defizit-orientierte Betrachtungs-weise durch eine Fokussierung auf Fähigkeiten und gesunde Kraftquellen überwunden.

Den PatientInnen wird sehr viel Eigenverantwortung für ihre Heilung zugetraut, ohne dabei ihr Leid und ihre Probleme aus den Augen zu verlieren. Dabei spielen heilsame und unterstützende innere Bilder eine wichtige Rolle. Prof. Reddemann entwickelt das Therapiekonzept kontinuierlich weiter und integriert neueste wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Psychotherapie- und Hirnforschung.

Viele Menschen haben nach jahrelangen leidvollen Erfahrungen mit weniger hilfreichen Konzepten in Psychotherapie und Psychiatrie in der Klinik von Prof. Luise Reddemann therapeutische Unterstützung gefunden, die zu einem müheloseren Leben verholfen hat, in dem Glück und Lebensfreude keine Fremdwörter mehr sind. Sie konnten Prof. Luise Reddemann als eine warmherzige, kluge, einfühlsame und klar entschiedene Frau kennen und schätzen lernen. Trotz Ihres Alters von über 70 Jahren ist sie nach wie vor rege tätig, lehrt in Seminaren und Vorträgen und mischt sich in politische Diskussionen mit ihrem Fachwissen ein. Sie hat zahlreiche Bücher geschrieben. Wir hoffen, dass sie ihr Lebenswerk noch lange selbst in die Öffentlichkeit tragen kann.

Der Vorstand von Traum-Haus e.V.